Die jungen Rebellen - Neue Arbeitswelt im Generationswandel

Wir können beobachten, wie die neue Arbeitswelt entsteht oder, wir können aktiv forschen und mitgestalten. Ich habe mich für das letztere entschieden und erlebe, wie Unternehmen mehr und mehr gefordert sind, kleine und größere Veränderungen vorzunehmen, um sich für die Zukunft marktfähig zu positionieren. Zwar geben Digitalisierung, Technologisierung und Globalisierung vorrangig den Takt der Innovationsentwicklung vor, jedoch setzt eine ebenso dringliche Herausforderung die Marschrichtung für zukunftsfähige Arbeitsmodelle: Der Kampf um Talente.

Die Generation ‘Why’

Es ist die Generation der ‘Digital Natives’, die mit ihren Erwartungen und Vorstellungen von Leben und Arbeit entscheidender Treiber der neuen Arbeitswelt geworden sind. Die jungen Rebellen, zu denen ich mich als ‘Millennial Activist’ ebenso zähle. Zwar lässt sich keine Generation in ihren Eigenschaften pauschalisieren und trotzdem sind wir gerade durch die Digitalisierung und dem Zugang zu endlosen Informationen ähnlich geprägt. Mit unseren Wertekonstrukten, Motivationen und dem eigenen Selbstverständnis sind wir in einem Arbeitssystem aufgewachsen, das nicht mehr zu uns passt. Spätestens nach unserem Abschluss kollidieren wir mit der Realität der Arbeitswelt, die oft fern von Selbstbestimmtheit, Flexibilität und Sinnhaftigkeit liegt, die wir beanspruchen. Einige von uns geben nach, andere rebellieren für das Hinterfragen hierarchischer Strukturen, eine selbstbestimmte Arbeitszeitgestaltung und eine Führungskultur mit Mentorschaft statt Machtspielen. Am Gegenpol sitzen Unternehmen, die durch erwähnte Dynamiken sowie des demografischen Wandels vor der Herausforderung stehen, nicht nur anspruchsvolle, sondern fachlich kompetente, loyale und verantwortungsvolle Mitarbeiter zu finden, sie idealerweise zu binden und vor allem, und hier ist der kritische Punkt, der Erwartungshaltung von Arbeit gerecht zu werden. In einer Studie des Kienbaum Instituts lässt sich erkennen, dass bei befragten Absolventen des Jahres 2015 eine kollegiale Arbeitsatmosphäre und Work-Life-Balance an oberster Stelle der erwünschten Arbeitgebereigenschaften stehen. Im ohnehin engen Talentmarkt liegt es an den Unternehmen, sich zu öffnen und Veränderungen der Arbeitsgestaltung möglich zu machen. Mir ist es ein Anliegen, in der Transformationsarbeit mit Unternehmen, die Perspektive der Nachwuchsgeneration transparent zu machen und für mein eigenes Verständnis von Work-Life-Blend einzustehen. Geprägt durch die leistungs- und konservativ geprägte Erziehung meiner chinesisch-stämmigen Eltern befand ich mich während des Studiums im Zwiespalt in der Arbeitgeberwahl und höre heute nicht auf, mich zu hinterfragen: Wie willst du arbeiten und leben?

Die Jungen versus die Alten ist keine Option

Diese Reflektion ist gerade jetzt wichtig, um uns alle neu zu orientieren - egal ob Generation X, Y oder Z. Auch wenn heute das Spannungsfeld zwischen den jungen Talenten und den Unternehmen am größten scheint, gilt es jetzt, gemeinsam Lösungen zu finden. Die Denke ‘Die Jungen gegen die Alten’ oder ‘New Work gegen Old Work’ ist keine Option. Vielmehr müssen beide Seiten lernen, sich zuzuhören, zu verstehen und voneinander zu lernen – und das auf Augenhöhe, respektvoll und achtsam. Zwar mögen wir, die mit furchtlosen und idealistischen Vorstellungen die Arbeitswelt betreten viele Ansprüche haben, aber genauso müssen wir lernen, was Selbstführung und Selbstverantwortlichkeit heißt. Auf der anderen Seite löst die Rebellion der Jungen sicherlich auch bei erfahrenen Mitarbeitern und Führungskräften ein Umdenken aus.

Es wird Zeit, die Lücke mit Dialog zu füllen

Denn ich glaube, dass viele vergessen haben, was Arbeit wirklich für sie bedeutet. Es ist Zeit, sich von Glaubenssätzen zu befreien, die wir als gegeben nehmen und ebenso aus Rahmenbedingungen, die wir meinen nicht verändern zu können. Denn heute gibt es genügend Beweise, die zeigen, dass Arbeit anders funktionieren kann und nicht nur dem Unternehmen mehr Produktivität schenken, sondern vor allem dem Einzelnen wieder eine Stimme geben könnte. Eine Stimme, mit der jeder die Entscheidung selbst in die Hand nehmen muss, wo, wann und auf welche Art und Weise er arbeitet. Der erste Schritt dafür ist die Inspiration von außen, die wir mit unserer eigens gestarteten deutsch- und englischsprachigen Initiative Humans Of New Work geben, das Formulieren eigener Gedanken in Artikeln und der direkte Austausch, ob als interne Social Plattform oder Veranstaltungsformaten wie Barcamps. Das gilt ebenso für Bewerbungsprozesse, denn anstatt “Was kannst du und was nicht?” sollten wir öfter fragen “Was kannst und willst du beitragen? Wofür brennst du?” Lasst uns mehr miteinander in Dialog treten und die Lücke zwischen Erwartungshaltungen der Talente und der Unternehmen schließen. Die neue Arbeitswelt können wir nur durch Wissens- und Erfahrungsaustausch, Neugierde und Mut zum Experimentieren vorantreiben.

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