«Ich freue mich wieder auf echte, physische Treffen»

#newworkingnormal nach Corona: So war's und so geht es weiter. Das erste Interview unserer Blog-Serie haben wir mit Cheryl Probst von der SBB geführt.

 

Und plötzlich kam Corona. Cheryl, war die SBB auf die Krise vorbereitet?

Cheryl Probst: Ja, sie war darauf vorbereitet. Das Krisenmanagement der SBB hat die Situation seit dem Ausbruch der Krankheit in Asien tagesscharf beurteilt und die notwendigen betrieblichen und organisatorischen Vorbereitungen getroffen. Dazu gehörte auch die Kommunikation – vor allem nach Innen. So wurden die SBB-Mitarbeitenden noch vor dem ersten Covid-19-Fall in der Schweiz am 25. Februar ein erstes Mal informiert, danach quasi im Tagesrhythmus.

Wie hat sich Corona auf euren Arbeitsalltag ausgewirkt?

Die SBB hat vom Umstand profitiert, dass sie ihren Mitarbeitenden seit Jahren Home Office ermöglicht, ja diese Arbeitsform immer aktiv gefördert hat. Kulturell, technisch und organisatorisch war die SBB in innert kürzester Zeit in der Lage, in grossem Umfang auf die neue Arbeitsform umzustellen. Zum Höhepunkt der Krise haben täglich rund 13 000 Mitarbeitende der SBB von zu Hause aus auf das Informatiksystem der SBB zugegriffen.

Wer hat denn von zu Hause aus gearbeitet - wer musste, durfte und konnte Home Office machen?

Die SBB hat unterschieden zwischen nicht gefährdeten Personen und besonders gefährdeten Personen sowie besonders exponierten Berufsgruppen. Besonders gefährdete Personen mussten sich bei ihren Vorgesetzten melden. Sie arbeiteten per sofort von zu Hause aus. Dort, wo das nicht möglich war, wurden sie von der Arbeitspflicht befreit. Bei den besonders exponierten Berufsgruppen wurden die notwendigen Massnahmen ergriffen, um sie zu schützen. Dadurch konnten diese weiterhin arbeiten. Alle anderen Mitarbeitenden wurden angehalten, wann immer möglich aus dem Home Office zu arbeiten. Die BAG-Vorgaben waren zu jeder Zeit ein strikter Leitfaden für die SBB.

Was fiel euch im Home Office einfach und wo lagen die Herausforderungen?

Wer schon gewohnt war, im Home Office zu arbeiten, für den war die Umstellung auf die neue Situation organisatorisch und psychisch-emotional nicht allzu schwierig. Es ging hauptsächlich darum, schnell Gefässe zu schaffen, die dem Austausch im Team dienten. Dieser Austausch wurde zuvor sehr häufig in physischen Sitzungen gepflegt. Eine echte Herausforderung ist es, die Führungsaufgaben als Team-Leiter auf Distanz wahrzunehmen. Vor allem gegenüber Mitarbeitenden, die während der Krise ins Unternehmen eingetreten sind. Das war Neuland.

Home Office Cheryl_SBB.jpg

Und jetzt zurück in den normalen Arbeitsalltag. Oder doch nicht? Was bleibt?

Ich freue mich wieder auf «echte» physische Treffen mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Sicher ist aber auch, dass ortsunabhängige, flexible Arbeitsformen wie Home Office weiter an Akzeptanz gewonnen hat. Dass dies zur Entlastung der Infrastrukturen, beispielsweise der Verkehrsinfrastrukturen zur Hauptverkehrszeit, beiträgt, ist ein besonders positiver Nebeneffekt.