«Menschen sollen ihre Arbeitsumgebung bewusst auswählen»

#newworkingnormal nach Corona: So war's und so geht es weiter. Das zweite Gespräch in unserer Serie haben wir mit Muriel Bouakaz von Witzig The Office Company geführt.

 

Dann kam Corona: fertig lustig, fertig "witzig". Muriel, wie habt ihr bei Witzig The Office Company auf den Lockdown reagiert?

Muriel Bouakaz: Witzig The Office Company hat sich bereits 2013 entschieden, neue Arbeitswelten unternehmensintern zu leben. Dazu gehörte die technologische Aufrüstung auf mobile Geräte, Zugriffe auf Sharepoints, aber auch kulturelle Aspekte wie mobil-flexible Arbeitszeiten. Für unsere Mitarbeitenden und Führungskräfte war die Krise so etwas wie eine Bewährungsprobe, und wir können mit dem Ergebnis sehr zufrieden sein. Alle Herausforderungen des Home Office wurden, soweit ich das mitbekommen habe, durchweg erfolgreich gemeistert von allen.

Wie haben eure Mitarbeitende während der Corona-Krise gearbeitet, wie seid ihr mit den Vorgaben umgegangen?

Unsere Mitarbeitenden haben, wann immer möglich, im Homeoffice gearbeitet. Für viele unserer Mitarbeitenden bedeutete dies keine Umstellung, da sie bereits vorher mobil-flexibel unterwegs waren. Um den laufenden Betrieb sicherzustellen, insbesondere für unsere Kunden, waren abwechselnd einzelne Mitarbeitende weiterhin im Büro präsent und aktiv. Aufgrund der grosszügig verfügbaren Fläche stellte dies kein gesundheitliches Risiko für die Mitarbeitenden. Selbstverständlich standen sowohl Desinfektionsmittel als auch weitere Hygieneartikel zur Verfügung. Für Rückfragen standen unsere Verantwortlichen des internen Pandemiestabs via Hotline und E-Mail zur Verfügung.

Was habt ihr daraus gelernt im Unternehmen?

Die Bedeutung des mobiles, flexibles Arbeitens ist sicher noch einmal auf eine kompromisslose Art und Weise aufgezeigt worden. New Work ermöglicht eine schnelle und einfache Reaktion auf aussergewöhnliche Situationen.
In Bezug auf das Gesamtunternehmen hat sich die stetige Information und Kommunikation bewährt. Diese hat den Mitarbeitenden Orientierung und Sicherheit durch Wissen und einen klaren Verhaltenskodex vermittelt.

Wie habt ihr im Team gearbeitet - was waren dort und persönlich eure Erkenntnisse?

Im Team haben wir häufiger als sonst telefoniert respektive geskyped, um die fehlende "Face Time" zu kompensieren. Wir haben voneinander neue Tools kennengelernt, die den Arbeitsalltag erleichtern. Diese Tools waren für uns noch relevanter als in den Zeiten, in denen wir uns sonst im Büro zum persönlichen Austausch treffen.
Persönlich habe ich gemerkt, wie viel an einem Tag zu schaffen ist, wenn die Reisezeit wegfällt. Die Arbeitszeit wird intensiver, aber tendenziell kürzer. Dafür fehlen die Flow-Erlebnisse, die es fast nur beim gemeinsamen Arbeiten vor Ort gibt.

Worauf schaut ihr nun, wenn ihr wieder ihn den normalen Arbeitsalltag zurückkehrt?

Einerseits mehr Fokuszeit im Alltag planen. Das geht im Home Office sehr einfach. Andererseits das bewusste Abwägen: Wann bringt ein persönliches Treffen wirklich einen Mehrwert, und in welchen Fällen ist es effizienter, das Meeting via Call abzuhalten?

Dein Aha-Erlebnis?

Der Mensch ist sehr agil, wenn er keine Optionen hat. Ein Grossteil der Wissensarbeitenden in der Schweiz haben sich innert wenigen Wochen fast komplett digitalisiert und damit sichergestellt, dass Bildung und Wirtschaft weiterhin gut funktionieren. Das freut mich sehr und stimmt mich für künftigen Herausforderungen zuversichtlich.

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Was ist dein Wunsch für die Zukunft?

Dass die Menschen achtsamer und sorgsamer mit ihrer Zeit umgehen. Dass sie ihre Arbeitsumgebung noch bewusster nach Tätigkeit wählen. Die aktuelle Situation ist ein Ausnahmezustand. Es wäre wünschenswert, dass die Wissensarbeitenden auch künftig von der Erfahrung und den neuen Kompetenzen aus dieser Zeit profitieren. Und dass sie die unterschiedlichen Arbeitsorte intelligent nutzen.