Beton trifft Gras

Neue KPIs braucht das Land

… damit Work Smart nicht die Arbeits- sondern die Lebensqualität der Mitarbeitenden erhöht.


Unserer Auffassung nach steht bei Work Smart immer noch flexibles Arbeiten als Ausgangspunkt der Strategie im Vordergrund, wie etwa diese Studie von 2018 zeigt.

Entlang der bestehenden Silos kümmert sich das Facility Management um die Räumlichkeiten, die IT um die neusten Kommunikationsmittel, und das HR nimmt sich den Mitarbeitenden an. Jede dieser Abteilungen bekommt den Auftrag, diese Bereiche mit ihren bestehenden Methoden zu behandeln. Dadurch wird aber kein richtiger Wandel durch die ganze Organisation durchzogen.

Kurz gesagt: Beton trifft Gras.



Wenn wir nur über Home Office sprechen, sieht Work Smart sehr unbedeutend aus.

Statt Abgrenzungen zu zementieren plädieren wir, Schnittstellen auszuweiten:


Was passiert, wenn wir das Ziel von Work Smart grösser denken und die “Lebensqualität” unserer Mitarbeitenden in den Mittelpunkt stellen?

Wir haben uns dafür fünf Ziele ausgedacht, auf deren Basis die Vision von Work Smart im Alltag eines jeden Mitarbeitenden deutlich spürbarer werden könnte.

1. Wir reduzieren krankheitsbedingte Abwesenheiten jährlich um 50 Prozent
Warum betriebliche Gesundheit wichtig ist, haben wir im letzten Artikel über Peter O’Neill schon gezeigt. Im Rahmen von Work Smart kann euch für einen ersten Schritt der Friendly Work Space Check der Gesundheitsförderung Schweiz helfen. Mit der Vorlage der Work Smart Initative für einen Feel Well Workshop könnt ihr im Team auch gleich erste Massnahmen und Experimente erarbeiten.

Starten ist bekanntlich einfacher als stoppen.

2. Wir steigern die Anzahl der Work-Smart-Experimente und entscheiden bei über 50 Prozent nach drei Monaten über Umsetzung oder Abbruch
Zuviel auf einmal zu ändern ist häufig ein zu grosser Schritt für ein Unternehmen. Veränderungen können gut mit zeitlich begrenzten Experimente angestossen werden. Dabei sollen wir lernen, wie wir Experimente durchführen und bei Erfolg einfach und schnell skalieren. Dabei sollen weniger Richtlinien und Prozessbeschriebe erstellt werden, sondern die Mitarbeiter sollten unterstützt werden, um neue Haltungen und Routinen entwickeln zu können. Es geht darum, herauszufinden, wie wir in unserem Unternehmen mit Work Smart den Problem-Lösern behilflich sein können.

Um das Reiten auf toten Rössern zu verhindern, wird nach drei Monaten entweder umgesetzt – oder gestoppt.

3. Wir verbessern die Zufriedenheit mit Meetings, online wie offline, um 50 Prozent
Schauen wir uns die Zahlen an:

  • 9 von 10 Mitarbeitenden geben zu, dass sie sich in Sitzungen Tagträumen hingeben.
  • Während 25 Prozent der Zeit werden irrelevante Dinge besprochen.
  • 50 Prozent der Beteiligten hält Meetings generell für nicht produktiv.
  • 73 Prozent der Mitarbeitenden erledigen während Meetings andere Sachen.
  • 75 Prozent der Mitarbeitenden wurden nie darin geschult, Meetings zu strukturieren und zu designen.

Kollaboration, Vernetzung und Alignment bleiben wichtig, um gelungene Kundenerlebnisse zu gestalten. Wir wollen aber keine zentrale Steuerung mehr, sondern radikale Orientierung an den Bedürfnissen der Kunden sowie Autonomie darüber, wie wir diese selbstorganisiert adressieren können. Daher: Wir benötigen nicht weniger Meetings, sondern einfach bessere.

4. 50 Prozent der Führungskräfte arbeiten Teilzeit
Durch zunehmend vernetztes Arbeiten und Selbstorganisation verändert sich die Rolle der Führungskräfte. Wie wäre es, als Führungskraft eine Inventur durchzuführen und jede Tätigkeit zu hinterfragen, die delegierbar ist oder – besser noch – keinen Mehrwert für das Team oder die Organisation bringt? Die freigewordenen Ressourcen können so für Weiterbildung, Familie oder ein Hobby benutzt werden. Auf diese Weise wären die Chefs nicht mehr gezwungen, Mikromanagement zu betreiben, sondern auf das Etablieren eines Rahmens zur erfolgreichen Selbstorganisation zu fokussieren. Das Resultat bei den Mitarbeitenden: spürbare Selbstbestimmung.

5. Mittels “Artificial-Intelligence-enhanced processes” verringern wir den Anteil nicht-wertschöpfender Arbeit aus Perspektive des jeweiligen Mitarbeitenden um 30 Prozent
Weniger Zeit erhöht die Notwendigkeit, Teams und Mitarbeitenden mehr Handlungsspielraum zu geben und Selbstorganisation zu fördern. Damit sie die Zeit auch nutzen können, sollten wir die Potenziale der künstlichen Intelligenz nutzen, um Mitarbeitende bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

Fazit: Auf den ersten Blick klingen diese Ziele verrückt. Auf dem zweiten Blick stellen wir fest, dass wir eher verrückt sind, wenn wir nicht so rasch wie möglich eben solche Art von Ziele zur Priorität machen.

 

Über die Autoren

Dani und Ruz zeigen in ihrem Blog "Gras aus Beton", wie kleine Gruppen und Teams harte organisatorische Strukturen aufbrechen um Veränderungen zu starten. Dabei erörtern sie Fragestellungen rund um die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine, Veränderungsprozesse und die Herausforderungen selbstorganisierter Teams - beispielsweise betreffend Thema "Leadership". Und immer aus der Sicht von "Beton und Gras".

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