Entwicklung von Jobsharing in der Arbeitswelt 4.0

Durch die Digitalisierung der Informationsflüsse und der steigenden Arbeitsflexibilität ändern sich mit hoher Geschwindigkeit Arbeitsstrukturen. In diesem Kontext stehen auch Job- und Topsharing-Arbeitsmodelle, welche immer mehr von Frauen und Männern aller Generationen nachgefragt werden. Fortschrittliche Unternehmen unterstützen diese um ihr Know-how zu behalten, ihre Talente zu binden und um attraktiv auf dem Arbeitsmarkt zu bleiben.

Welcher Arbeitgeber hat nicht schon davon geträumt für eine komplexe Arbeitsstelle über zwei sich ergänzende Fachleute zu verfügen? Welcher Wirtschaftsverantwortliche oder Politiker hat nicht schon die Arbeitsstellenteilung (englisch Jobsharing) zur Schaffung oder Neuverteilung von Arbeit in Erwägung gezogen?

Der in der Mitte der 70er-Jahre definierter Begriff «Jobsharing» bezieht sich auf zwei oder mehrere Angestellte, die sich eine Vollzeit-Arbeitsstelle mit voneinander abhängigen Aufgaben und mit einer gemeinsamen Verantwortung teilen. Das Spezifische des «Topsharings» bezeichnet ein Jobsharing in Positionen mit hoher Verantwortung, die auch Mitarbeiterführung einschliesst.

Im digitalen Zeitalter entwickelt sich das Modell deutlich schneller. Die Informationstechnologien optimieren den Kommunikationsfluss zwischen den Jobsharern, eine Voraussetzung um Projekte und Arbeitsaufgaben optimal zu gestalten. Das Duo, das einen Arbeitsplatz teilt, arbeitet zwar an verschiedenen Orten, ist aber ständig miteinander verbunden. Die rasche Entscheidungsfindung im Tandem erzeugt dabei eine höhere Produktivität. Die Verbreitung von Coworking Spaces fördert diese Art der Zusammenarbeit.

Professionelle Partnerschaftsplattformen wie z.b. www.wejobshare.ch oder www.tandemploy.com unterstützen bei der Suche nach einem Partner im Jobsharing.

Slash Careers und Sharing Economy

Das Arbeiten in flexiblen und offenen Arbeitsstrukturen ermöglicht Berufstätigen in unterschiedlichen Berufsfeldern parallel zu arbeiten oder sich neben einem Anstellungsverhältnis auch selbstständig zu machen. Arbeiten in verschiedenen Rollen oder verschiedene Jobs auszuüben wird immer häufiger. Berufstätige die mehrere Karrieren parallel verfolgen, durchlaufen eine sogenannte «Slash-Karriere».

Mehrere Merkmale der Sharing Economy findet man auch im Jobsharing – etwa die kollaborative und gemeinsame Nutzung der Arbeitsmittel, die nachhaltige Nutzung der verfügbaren Humanressourcen, der Wissenstransfer oder auch die intensive Nutzung der Informationstechnologie. Beide Konzepte sind in zahlreichen Ländern vertreten. Sie bringen die traditionellen Regeln der Wirtschaft ins Wanken, indem sie die kollektive Intelligenz, die Vielfältigkeit und das Unternehmertum stärken.

Talente binden, ein Hauptziel

Um Talente zu binden, unterstützen verantwortliche Arbeitgeber diese Jobsharing-Modelle. Die Talentbindung ist heute entscheidend für HR-Profis und das Management. Eine hochqualifizierten Angestellte, die nach zehn Jahren Berufstätigkeit ihr erstes Kind erwartet und Ihr Pensum reduzieren will, verlässt häufig das Unternehmen, weil man ihr keine kombinierte Teilzeitstelle mit einer hohen Verantwortung anbieten kann. In solchen Fällen kann Jobsharing eine interessante Lösung sein.

Intergenerationnelle Synergien

Das intergenerationnelle Jobsharing bezieht sich auf die Arbeitsstellenteilung zwischen einem Senior und einem Junior (mind. 10 Jahre Unterschied). Das gute Einvernehmen und die Wissensübermittelung zwischen den Generationen haben in einem Unternehmen einen besonderen Stellenwert. Gemäss einer Befragung (siehe Sammelband Job und Topsharing, L’Harmattan, 2016)kann man nachweisen, dass das generationenübergreifende Jobsharing ein sachdienliches Werkzeug ist für: a) das gute Einvernehmen zwischen den Generationen, b) die Integration der nachfolgenden Generation, c) als Hilfe für Senioren, die kürzertreten wollen, und d) die Weitergabe des Wissens zwischen den Generationen. 97.5% der Befragten Unternehmen in der Schweiz bestätigen, dass das intergenerationnelle Jobsharing eine interessante Massnahme ist, um das gute Einvernehmen und die Weitergabe des Wissens zwischen den Generationen zu übertragen.

Die Schweiz, ein Teilzeit Paradies?

59 % der erwerbstätigen Frauen arbeiten heute in der Schweiz Teilzeit. Bei den Männern sind es 16 % (BFS, 2015). Diese Kluft zwischen den Geschlechtern gehört zu den grössten weltweit. Dass der Arbeitsmarkt diese Besonderheit aufweist, ist umso überraschender, als es heute immer weniger geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich des Ausbildungs­niveaus gibt. Teilzeitarbeit bietet einige Vorteile, jedoch sind nur in seltenen Fällen leitende Positionen in Teilzeitarbeit möglich.

Wie nie zuvor zeigen die Industrieländer einen gravierenden Mangel an hochqualifizierten Arbeitskräften. Fakt ist: Je höher der Bildungsgrad von Frauen mit Kindern, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass sie Teilzeit arbeiten. Diese Ten­denz erklärt sich sowohl anhand des höheren Gehalts, das der ab­solvierten Ausbildung entspricht, aber auch anhand des Wunsches, die Betreuung der Kinder nicht Dritt-Personen zu überlassen. Anzumerken ist, dass das Risiko eines Kompetenzverlustes bei Teilzeitstellen für Hochausgebildete besonders gross ist. Jobsharing ermöglicht es, interessante Stellen und Funktionen mit einem Teilzeitpensum zu bewahren.

Rund 50'000 sehr gut ausgebildete Frauen in der Schweiz, mehrheitlich Mütter, gehen keiner Erwerbstätigkeit nach. Dieses brachliegende Wis­senspotenzial ist in der Wirtschaftswelt notwendiger denn je, um den Mangel an Fachkräften zu kompensieren.

Einen Partner finden und ein Tandem testen

Einen guten Partner zu finden bleibt eine sine qua non  Bedingung für eine effektive Arbeitsstellenteilung. Wichtig ist es gemeinsame Werte zu identifizieren und das Duo im Vorfeld zu testen. Der Verein PTO (Part-Time Optimisation) informiert Arbeitnehmer und Arbeitgeber über die Facetten des Jobsharings und vermittelt auch Angebote um einen Partner zu finden. Ziel dieser Plattform ist das Zusammenkommen von Partnern zu erleichtern und Jobsharing Paare zu bilden. Die Idee ist einfach: schreiben Sie sich einfach gratis ein und geben Sie Ihre Hauptmerkmale ein. Ein Algorithmus kombiniert die Soft- und Hard-Faktoren um die bestmögliche Empfehlungen für einen Partner zu machen.

Diese neue Plattform erfüllt auch die steigenden Bedürfnisse der Arbeitgeber. Ein individueller Cloud-Service wird Unternehmen angeboten, damit sie ihre Mitarbeiter in der Suche nach einem geeigneten Partner innerhalb des Unternehmens unterstützen können und so Jobsharing testen können.   

Die Arbeit überdenken – ein Sammelband mit 34 Autoren

Der Sammelband «Partage d’emploi - Job sharing : Neue Chancen und Herausforderungen der Arbeit» ist vor kurzem in drei Sprachen bei L’Harmattan erschienen und umfasst Beiträge von 34 Autoren aus der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und Ungarn.

Die Publikation besteht aus drei Hauptteilen. Der erste Teil vereinigt Überlegungen über das Jobsharing im Kontext der Paradigmenwechsel in den Unternehmen. Im Einflussbereich von Industrie 4.0 oder Arbeit 4.0 – einer Bezugnahme auf die vierte industrielle Revolution, die zunehmend intelligente Technologien nutzt, die mehr und mehr Aufgaben übernimmt, sind die Auswirkungen auf die Arbeitswelt direkt; sie muss sich ständig einer digitalisierten Umgebung anpassen.

Der zweite Teil vereinigt mehrere Themen, die mit den Vorteilen und den Grenzen des Jobsharings zu tun haben. Es werden Aspekte in Zusammenhang mit dem Geschlecht und die Veränderungen, die mit den generationenübergreifenden Aspekten verbunden sind, zur Sprache gebracht; Gegenstand ist auch der Einfluss von derartigen Arbeitsteilungsmodellen auf die Karriere (Topsharing). Kritische Sichtweisen von Gewerkschaftern oder anderen Spezialisten über die möglichen negativen Auswirkungen einer zu grossen Flexibilisierung der Arbeitswelt, runden diesen zweiten Teil zu einer umfassende Analyse des Themas ab. Mehrere Autorinnen und Autoren bringen ausserdem, ausgehend von den Erfahrungen in ihrem Land, die notwendigen Bedingungen für das Zustandekommen eines wirksamen Job- oder Topsharings zur Sprache. Diese Perspektiven beleuchten die Bedeutung des Gewusst-wie und des Verständnisses des Jobsharings, damit dies zum wirklichen Erfolgsmodell für die Unternehmen werden kann. Ausserdem enthält dieser Teil eine Reflexion über die gezielten politischen Bestrebungen zur Förderung der neuen flexiblen Arbeitsmodelle, welche auch die Männer ermutigt, in Teilzeit oder in einem Jobsharing zu arbeiten.

Der dritte Teil ist entschieden pragmatisch. Er greift praktische Erfahrungen beim Job- und Topsharing auf, indem er praxisnahe Erfahrungen aus verschiedenen europäischen Ländern beschreibt. Es werden die Profile der Arbeitnehmer untersucht, die sich eine Arbeitsstelle teilen. Auch kristallisiert sich der Einfluss des generationenübergreifenden Jobsharings über verschiedene empirische und ökonometrische Analysen heraus.

Über das Jobsharing Arbeit überdenken: Das ist die Leitlinie dieses Sammelbandes, der vielfältige Denkweisen und konkrete Ansätze der Umsetzung zusammenbringt. Der Weg ist jedoch noch lang, doch die Überlegungen, die im Gange sind, und die bereits eingeleiteten Schritte belegen das Interesse der Akteure am Jobsharing, und dies sowohl auf der Ebene der Unternehmen wie der Angestellten und der Arbeiter und auch der Gesellschaft.

 


Für mehr Infos, kontaktieren Sie bitte den Verein PTO und We Jobshare Sàrl

Der Verein PTO wird durch das Eidgenössische Büro für Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) und von verschiedenen Privatsponsoren unterstütz.

PTO bietet auch Coaching von Duos. PTO organisiert Meet-ups Job in verschiedenen Städten in der Schweiz (das nächste findet in Lausanne im Espace Dickens am 15. Mai 2017 statt) PTO organisiert gezielte Workshops in Unternehmen für verantwortliche Manager, HR-Spezialisten und potenzielle Job-Sharer. Am 6. November 2017 in Basel organisiert PTO das 2. Internationale Kolloquium zum Thema Job und Topsharing, Work Smart & Slash Careers. (www.topjobsharing2017.com)

Für Informationen über die praktische Durchführung von Jobsharing, besuchen Sie unsere Website für Arbeitgeber, HR-Experten und Mitarbeiter: www.go-for-jobsharing.ch

Um einenn Partner zu finden, registrieren Sie direkt auf der professionellen Partnerschaft Update-Site: www.wejobshare.ch

 

 

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