Reduktion der Mobilität: Ganzheitliche Lösungen sind gefragt

Bundesrätin Leuthard hat am 30.06.2016 mitgeteilt, dass die bestehenden Kapazitäten von Strasse und Schiene durch Mobility Pricing besser genutzt und Verkehrsspitzen gebrochen werden sollen. Meine Meinung dazu: Ja, es braucht Lösungen für die temporäre Strassenüberlastung. Nein, dies sollte nicht über Lenkungsabgaben erfolgen.

Um das Mobilitätsverhalten nachhaltig zu verändern braucht es zwei Dinge: Die Erkenntnis, dass unser aktuelles Verhalten problematisch ist und eine sinnvolle Alternative.

Die Stosszeiten

Zunächst: Woher stammt das Problem der “Stosszeiten” eigentlich? Der tägliche Strom an Pendlern stammt von einem Muster aus der industriellen Revolution, als die Menschen erstmals zur Arbeit dahin fahren mussten, wo die Maschinen standen: in die Fabrik. Noch heute pendeln wir in diese “Fabriken”, obwohl fast die Hälfte aller Arbeitnehmer ihre Arbeit von irgendwo aus erledigen könnten. Wir können uns diesen Automatismus nicht mehr leisten. Jeden Tag ohne zwingenden Grund ins Büro zu pendeln ist wie im Februar eingeflogene Erdbeeren zu kaufen: Es ist ökologischer und ökonomischer Unsinn.

Die Alternative

Nur: Was ist die Alternative? Der Konzeptbericht Mobility Pricing schlägt die vermehrte Nutzung von Home-Office vor. Das ist ein guter erster Schritt. Aber wer schon Home-Office nutzt, der weiss, dass dies eigene Probleme mit sich bringt: die Vermischung von Privat- und Arbeitsleben, Ablenkung durch Hausarbeiten und Kinder, ungenügende Infrastruktur und schwindende soziale Kontakte. Ein neuer Ansatz ist gefragt: zum Beispiel eine professionelle, gemeinschaftlich genutzte Arbeitsumgebung, die innerhalb von 15 Minuten von zu Hause aus erreicht werden kann. Ein Ort, an dem Menschen arbeiten und sich vernetzen können, ohne zuerst durch die halbe Schweiz zu pendeln.

Coworking - Spaces

In der Schweiz haben sich rund 60 Coworking-Spaces gebildet, in denen hochkreative Individualisten an Projekten für sich selbst und Unternehmen arbeiten.
Diese Coworking-Spaces sind eine neue Möglichkeit für Unternehmen jeder Grösse, zeitgemässe, flexible Arbeitsstrukturen einzuführen mit den Vorteilen von Home Offices und jenen herkömmlicher Arbeitsplätze. Davon profitieren alle: Unternehmen, durch niedrigere und flexiblere Kosten. Mitarbeiter, durch kürzere Reisezeiten, die unternehmensübergreifende Vernetzung und ansprechende Arbeitswelten. Und natürlich auch die Standortgemeinden, durch eine Belebung des Zentrums und Stärkung des lokalen Gewerbes. Darüber hinaus wird durch die Reduktion der Pendelkilometer ein wertvoller Beitrag zur Reduktion der Mobiliät und damit für den Umweltschutz geleistet.

Der Aufbau der Infrastruktur für die Erhebung des Mobility Pricings ist sehr teuer. Ich schlage vor, diese Gelder stattdessen dafür zu verwenden, um das Problem an der Wurzel zu beheben. Es ist an der Zeit, unser Mobilitätsverhalten grundlegend zu hinterfragen. Dafür ist Mobility Pricing ein verständlicher Impuls, greift aber zu kurz. Es braucht keine Bestrafung, sondern eine sinnvolle Alternative.


Über VillageOffice

VillageOffice steht für nachhaltige Wirtschaftsförderung auf höchstem technischen, ökonomischen und ökologischen Niveau. Wir vernetzen bestehende Coworking Spaces und schaffen neue. So bringen wir die Arbeit räumlich zu den Menschen, und bieten kreative, kostensparende Antworten auf Veränderungen in der Arbeitswelt – für Unternehmen, Freelancer und Angestellte


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