Wir haben für alles im Leben eine App...nur arbeiten tun wir noch ganz verstaubt

Ich bin ein Fan von unserem Lebenstempo. Job-Hopping, Jet-Setting, Second-Screening: Für die Ungeduldigen da draussen, die so ungeduldig sind wie ich, ist das alles wie geschaffen. Mein Telefon optimiert jede Minute – das ist wie ein Ticket zum Leben auf dem Schnellzug. Wenn ich heute einem u30-Kollegen erklären muss, wie man seinen Swiss-Flug online eincheckt, falle ich fast in Ohnmacht. Die Zeit, die da draufgeht beim Anstehen! Da kannst du zuschauen wie dir graue Haare wachsen! Ich kriege dann Zeitstehl-Panik. Ansteh-Ausschlag. Ineffizienz-Kurzatmigkeit.

Sie mögen mich jetzt verurteilen, mir ein baldiges Ausbrennen prophezeien und mir zur Entschleunigung raten. Ich aber sage: wer in dieser digitalen Welt nicht mitrennt, verpasst den Flieger. Und wer dieses „Technische“ gerne als „nur so eine Phase“ abtut, der soll mir mal erklären warum er glaubt, dass die Fluggesellschaft beim Checkin noch lange in Seidenfoulards und Papiertickets investiert.

Leben Sie smart? Sie müssen dafür vielleicht noch nicht mal vom Büro aus die Waschmaschine einschalten können – es reicht schon, wenn Sie erkannt haben, dass das teure Navi in Ihrem teuren Auto mit jedem Tag unbrauchbarer wird. Denn Google hat längst die Nase vorn wenn es darum geht uns zu sagen, wo wir sind und wie wir am einfachsten weiterkommen.

Arbeiten Sie smart? Viele von uns haben für jede Lebenssituation eine App. Wenn es ums Arbeiten geht, halten wir uns aber an den ältesten Zöpfen fest. Papierablage, Protokoll-Versand via Mail, Powerpoint-Präsentationen in biblischen Dimensionen und Konzepte, die noch mehr Interventionen, Stopps, Wiedergeburten und Korrekturrunden auf dem Buckel haben als die Sagrada Família.

Smart Work beginnt im Kleinsten – manchmal sogar mit einem Post-it

Wir von XING sind bei der Work Smart Initiative dabei, weil wir überzeugt sind, dass gute Arbeit heute nicht von einer Büro-Umgebung im Firmensitz abhängig ist – und schon gar nicht von einer Präsenzzeit. Wer smart arbeitet, erspart sich die Pendelei zu Stosszeiten, erspart sich Meeting-Marathons und CC-Mail-Fluten. Smart Arbeiten bedingt eine offene, effiziente Kommunikation. Und einen klaren Geist. Und zuallererst muss Smart Work bei uns selbst beginnen. Sie haben eine komplexe Aufgabe erhalten? Setzen Sie sich hin und fragen Sie sich:

  • Was ist die Situation?
  • Was verkompliziert die Aufgabe?
  • Wie unterstütze ich mit meiner Arbeit das Ziel meines Unternehmens?
  • Was will ich wirklich erreichen?
  • Was darf nicht passieren?
  • Was muss stimmen, damit rauskommt, was ich will?
  • Was investiere ich?
  • Was kommt dabei raus?
  • Wie messe ich meinen Erfolg?

Keine Sorge, Sie sollen die Antworten nun eben nicht in einer 50-seitigen Power-Point-Präsentation beantworten. Bis ihr Chef Seite 49 endlich kuratiert hätte, haben sich schon zig Voraussetzungen verändert.

Je schneller die Welt dreht, desto eher arbeiten wir fürs Museum

Nehmen Sie also irgendeinen Auftrag, den Sie bekommen haben. Versuchen Sie mal jede Frage so kurz zu beantworten, dass sie auf einem Post-it Platz hat. Schlafen Sie eine Nacht drüber und ergänzen Sie am nächsten Tag jede Antwort mit einem zweiten Post-it. Spielen Sie das Frage-Antwort-Spiel dann mit mindestens zwei Kollegen durch. Einmal mit einer Person, die sie für analytischer halten als Sie selbst. Einmal mit einer Person, die Sie für kreativer halten. Dann servieren Sie Ihre Auftragsklärung Ihrem Chef. Erachten Sie die Besprechung als Spiel: Erklären Sie jeden Spielzug. Beziehen Sie sich dabei regelmässig auf die vorhergegangenen Züge. Wenn ihr Chef etwas ergänzt: Kleben Sie ein weiteres Post-it hin – wo er etwas kritisiert, setzen sie ein Fragzeichen aufs Post-it. Überzeugen Sie ihre Vorgesetzte oder Ihren Vorgesetzen von Ihrer Taktik.

Wenn Sie das jetzt etwas anstrengend finden, dann fragen wir uns doch kurz, warum wir uns alle täglich mehr Freiheiten wünschen bei der Arbeit. Warum? Weil dazwischen immer wieder einer kommt und sagt „aber so geht das doch nicht!“. Was hilft? Diese Abgleichungen mit Vorgesetzten und Team ganz am Anfang machen und so eine Menge Nerven und Zeit sparen. Je mehr Sie Ihren Auftrag den Voraussetzungen von Anfang an anpassen, desto mehr Autonomie gewinnen Sie bei der Realisierung Ihres Projekts.

Smart arbeiten erfordert in unserer schnellen und komplexen Welt ein Framework. Je besser wir die Komplexität auf den Punkt bringen können, desto schärfer werden unsere Gedanken. Versuchen Sie sich! Kleben Sie los! Sie werden Ihre Gedanken so präzise präsentieren wie noch nie. Das gilt besonders für die Ungeduldigen unter uns.

Ich habe die Auftragsklärung am Beispiel dieses Blogbeitrages durchgespielt. Hier das Ergebnis:

Übrigens: Das Framework finden Sie zum Nachspielen hier.

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