«Work Smart» – Mitarbeiter zu Mitunternehmern machen

Als wir vor über fünf Jahren den «Home Office Day» heute «Work Smart» gegründet haben, war ich immer leicht stolz, wenn ich im Zug in einer Konversation den Wortfetzen «Home Office» hörte. Es war, als ob wir Geburtshelfer einer völlig neuartigen Idee gewesen wären. Heute ist das orts- und zeitunabhängige Arbeiten die normalste Sache der Welt; zumindest wenn man nach der Prominenz des Themas in den Fachblättern und den Tagesmedien urteilt.

Doch wie verbreitet und akzeptiert sind neue Arbeitsformen wirklich? Als Marissa Mayer von Yahoo vor zwei Jahren beziehungsweise unlängst die UBS damit Schlagzeilen machten, die freiheitsliebenden Home Office Worker wieder an die kürzere Leine zu nehmen, ging fast schon ein Aufatmen durch die Reihen. Insbesondere bei Zeitgenossen, die noch mit Fax und Röhrencomputern gross geworden sind. Die vermeintliche Erkenntnis: Es ist eben doch besser, wenn alle in der gleichen Galeere sitzen, statt dass jeder zu Hause nach eigenem Rhythmus vor sich herrudert. Die differenzierteren Beifallsrufe verwiesen zumindest darauf, dass Menschen doch besser zusammenarbeiten, wenn sie sich sehen.

Wer hat nun Recht? Diejenigen, die unbeirrt flexible Arbeitskonzepte weiter ausrollen, oder die Kritiker, die erst  mal abwarten, bis sich der Hype ums Arbeiten in Hausschuhen gelegt hat?

An dieser Stelle bietet sich auch etwas Selbstreflexion an. Als wir 2010 mit grossem Getöse den ersten «Home Office Day» lancierten, haben wir bewusst auf Effekthascherei durch Vereinfachung gesetzt. Genauso wie der Nichtrauchertag zu einem bewussteren Umgang mit der Gesundheit an 365 Tagen im Jahr aufruft, sollte der «Home Office Day» als Trojanisches Pferd dienen, um etwas viel Grösseres anzupreisen. Heute würden wir es wohl «die digitale Transformation der Arbeitswelt » nennen – oder eben «Work Smart». Damit hätten wir einen Teil der Diskussion geklärt: Home Office per se ist weder ein Ziel noch der Weisheit letzter Schluss. Aber der Begriff hat uns in der Anfangsphase geholfen, viel komplexere Themen und ihre Fragen elegant getarnt auf die Bürotische zu bringen:

> Welches Menschenbild haben wir?

> Wie führen und motivieren wir Mitarbeiter?

> Wie wollen wir mit dem technologischen Fortschritt umgehen?

> Welche Rolle nimmt Arbeit in unserer Gesellschaft ein?

> Wie verändert sich unsere Vorstellung von Biografien und Karrieren?

Fünf Jahre später – Home Office ist inzwischen salonfähig als Ortsangabe in der Outlook-Agenda – müssen und wollen wir die Diskussion weiterführen. Dabei geht es nicht nur um die Namensänderung zu «Work Smart», sondern auch darum, uns ganz genau anzuschauen, was flexible Arbeitsformen denn wirklich bringen. Dass wir neu in lärmigen Kaffees arbeiten und zu Zeiten, während denen andere schlafen, ist per se kein Nutzen – zumindest nicht einer, von dem Firma und  Mitarbeiter gleichermassen profitieren.

Ich hatte unlängst das Vergnügen, das Thema neue Arbeitsformen mit Mitarbeitern einer Bank zu besprechen. Eine junge Kundenberaterin brachte es auf den Punkt: Da wir flexibel arbeiten können, bin ich auch gerne bereit, zu Randzeiten Kundentermine anzubieten, auch beim Kunden zu Hause. Und hier kommen wir zum eigentlichen Kern der Sache. Flexible Arbeitsformen machen Mitarbeiter zu Mitunternehmern. Weil es um die Eigenverantwortung und nicht die Präsenz geht. Und das wiederum ist die wichtigste Voraussetzung, in dynamischen Märkten zu überleben. Und so ist dann auch «Die nahe Bank» ein sehr  überzeugendes Versprechen – und es klingt auch irgendwie besser als «Die Bank, die Home Office macht». Um das geht es bei «Work Smart»: Impulse zu setzen für eine agile und innovative Schweiz.

 

Dieser Blogbeitrag basiert auf einem Artikel, der in der kmuRUNDSCHAU 03/15 erschienen ist.

 

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