Best Practice Aremis

"Work Smart ist eine echte kulturelle Umgestaltung des Unternehmens"

Aremis Schweiz ist Unterzeichnerin der Work Smart Charta und seit einiger Zeit Netzwerkpartnerin der Initiative. Patrice Jaquier, Geschäftsführer von Aremis Schweiz, erläutert die Gründe für dieses Engagement.


Alexandra Kühn, Work Smart Initiative:
Patrice, Aremis hat bereits 2015 die Charta der Work Smart Initiative unterzeichnet. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?
Patrice Jaquier, Aremis Schweiz: Flexibles Arbeiten ist eine der wichtigsten Empfehlungen, die wir unseren Kunden in Bezug auf das Wohlbefinden am Arbeitsplatz, die Senkung der Immobilienkosten und die Reduktion des CO2-Fussabdrucks geben. Deshalb haben wir diesen Ansatz natürlich auch für unser eigenes Unternehmen übernommen. Die Unterzeichnung der Charta unterstreicht daher diese Absichten, ist aber auch ein Mittel zum Austausch bewährter Vorgehensweisen in diesem Bereich mit anderen Unterzeichnern.

Seit wann praktizieren Sie bei Aremis schon Work Smart?
Das Management von Aremis arbeitet seit mehr als 20 Jahren eng mit verschiedenen Unternehmen zusammen. Nach einem Management-Buy-Out im Jahr 2010 wurde das Unternehmen in seiner heutigen Form gegründet, und von Anfang an wurde Work Smart als einer der Eckpfeiler unseres neuen Unternehmens definiert.

Was sind die Vorteile für eine Gruppe wie Ihre?
Aufgrund unserer Aktivitäten sind wir in ganz Westeuropa sehr mobil, um unsere Kunden zu bedienen, aber auch um mit unseren Kollegen aus verschiedenen Niederlassungen das lokal entwickelte Know-how zu teilen. Daher war es unerlässlich, eine sehr flexible Organisation aufzubauen, die es uns ermöglicht, von überall und zu jeder Zeit produktiv zu arbeiten.

Diese Struktur ist also für alle von Vorteil?
Ja, weil wir den Werten der Familie sehr verbunden sind und uns für eine ausgeglichene Work-Life-Balance einsetzen. Wir sind uns auch unserer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst, und unser CO2-Fussabdruck wird so im Vergleich zu einem traditionellen Arbeitsumfeld um mehr als 50 Prozent reduziert.

Sie werden also von uneigennützigen Zielen angetrieben?
(lacht) Wir verheimlichen nicht, dass es natürlich auch ein finanzielles Interesse gibt: Unsere Büros sind durchschnittlich zu 50 Prozent belegt. Es wäre daher unsinnig, wenn jeder Mitarbeitende einen zugewiesenen Arbeitsplatz hätte. Stattdessen leben wir in unseren Büros das Work-Smart-Prinzip und stellen Räume zur Verfügung, die auf die augenblickliche Tätigkeit zugeschnitten sind: klassische Büros für konzentriertes Arbeiten, Séparées für Gespräche und vertrauliche Telefonate, Besprechungsräume unterschiedlicher Grösse, Gemeinschaftsräume zur Förderung der Kreativität etc. Konkret haben wir in all unseren Büros nur 70 Arbeitsplätze für die etwas mehr als 120 Mitarbeitende der Gruppe.

Wie organisieren sich die Mitarbeitenden dann im Alltag?
Zunächst einmal sind es vor allem unsere Kunden, die unsere Mobilität steuern: Im Durchschnitt verbringen unsere Berater 50 bis 70 Prozent ihrer Zeit bei ihnen. Und dann bitten wir unsere Mitarbeitenden, wann immer möglich von zu Hause aus zu arbeiten. Dafür stellen wir ihnen eine monatliche Pauschale zur Verfügung, die es ihnen insbesondere ermöglicht, zu Hause eine entsprechende Infrastruktur einzurichten. Wir verlangen mindestens einen Präsenztag pro Woche im Büro, um den Teamgeist zu erhalten und um zu vermeiden, dass die Mitarbeitenden sich nicht mehr mit dem Unternehmen und dessen Werten identifizieren können. Und schliesslich nutzen wir in einigen Bereichen Coworking Spaces, insbesondere für unsere Niederlassungen in Luxemburg und Zürich.

Ich schätze, dass Ihre Räumlichkeiten für die Implementierung von Work Smart in Ihrem Unternehmen sehr modern sind?
Nicht wirklich. Unser Brüsseler Büro befindet sich in einem Schloss aus dem 19. Jahrhundert, das in Paris im 8. Arrondissement, umgeben von Gebäuden im Haussmann-Stil, und in Lausanne arbeiten wir in einer Wohnung. Aber es ist richtig, dass wir uns jedes Mal dazu entschieden haben, in die Innenarchitektur zu investieren, um ein wirklich effizientes Konzept umzusetzen. Dieses Arbeitsumfeld ist ein sehr wichtiger Motivationsfaktor, was wir an der Atmosphäre in unseren Büros und an der allgemeinen Produktivität spüren.

Das alles klingt sehr attraktiv, aber bei den modernen Arbeitsweisen und Arbeitsumgebungen gibt's ja auch Nachteile.
Um zu vermeiden, dass diese auftauchen, müssen mehrere Aspekte berücksichtigt werden. Im Büro kann es zu einem Verlust von Identität und Orientierung kommen, da es kein eigenes Büro mehr gibt. Zu Hause besteht die Gefahr, dass der Arbeitsplatz schlecht eingerichtet ist und dadurch die Gesundheit beeinträchtigt werden kann. Ohne visuellen Kontakt zu Kollegen ist es auch schwieriger, die eigene Verfügbarkeit zu organisieren und soziale Isolation zu vermeiden.

Was schafft dem Abhilfe?
Lösungen gibt es für jeden dieser Fälle. Bei den konkreten Massnahmen hat uns die Work Smart Initiative mit der 2017 veröffentlichten Studie «Work Smart – Feel Well» sehr unterstützt. Wir haben einen Workshop durchgeführt, um die Mitarbeitenden für diese Risiken zu sensibilisieren und ihnen einfache Möglichkeiten zu geben, diese zu mindern.

Letzte Frage: Was raten Sie einem Unternehmen, das bei Work Smart einsteigen möchte?
Ein Work-Smart-Konzept lässt sich nicht improvisieren: Es ist eine echte kulturelle Umgestaltung des Unternehmens auf der Basis von Autonomie, Verantwortung und Vertrauen. Mehrere Aspekte müssen berücksichtigt und kontinuierlich überwacht werden. Man muss dazu bereit sein, das Unternehmen im Laufe der Zeit anhand des Mitarbeiter-Feedbacks und der Projektfortschritte innerhalb des Unternehmens anzupassen.

 

Patrice Jaquier, directeur d’Aremis Suisse

Patrice Jaquier, Geschäftsführer von Aremis Schweiz

Aremis ist ein europäisches Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen im Bereich gewerblicher Immobilien. Dank ihrer Erfahrung und innovativen Technologien unterstützen die Spezialisten von Aremis ihre Kunden bei der Verwaltung ihres Portfolios, insbesondere bei der Bewirtschaftung von Arbeitsplätzen und Dienstleistungen in Bezug auf Gebäude und deren Nutzer. Sie entwickeln und implementieren massgeschneiderte Lösungen, indem sie die unterschiedlichen Blickwinkel von Eigentümern, Verwaltern und Nutzern berücksichtigen.

Präsentation, die Patrice Jaquier zu diesem Thema im Oktober im SBB Digitalzug anlässlich des Swiss Digital Day gehalten hat:

Work Smart Initiative: Welcher Smart Worker sind Sie? (französisch)

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