Pepper, der Männerschwarm

Roboter versus Chatbot

Können Roboter in einer flexiblen Arbeitswelt einen Platz haben? Pepper, einer der in der Schweiz bekanntesten sozialen Roboter, ist seit bald einem Jahr Mitglied der Angestellten Schweiz. Zusammen mit Studierenden der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW wollten die Angestellten Schweiz herausfinden, ob und wie Pepper in einem Coworking Space unterstützen kann.

Ein Mitglied der Angestellten Schweiz – Roboter Pepper – und ein Mitarbeitender des Verbandes – der Schreibende – nahmen an der Fachhochschule an einem aufschlussreichen Laborexperiment teil. Die Studentin Anita Imbach eruierte an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) im Rahmen ihrer mit dem Weiterbildungsaward der FHNW ausgezeichneten Masterarbeit, wie weit humanoide Roboter wie Pepper in der Zusammenarbeit von Menschen akzeptiert werden und wie sie im Vergleich zu virtuellen Agenten (Chatbot) erlebt werden. Die Arbeit wurde von Professor Dr. Hartmut Schulze betreut (siehe auch Interview zum Thema «neue Kompetenzen» auf Apunto-Online). Das übergeordnete Forschungsthema lautete «Zusammenarbeit von sozialen Robotern in der Schweizer Arbeitswelt». Dazu läuft aktuell ein weiteres Experiment von fünf Student*innen der FHNW im Coworking Space Zero der Angestellten Schweiz. Sie können dieses auf dem Facebook- und LinkedIn-Kanal der Angestellten Schweiz verfolgen.

Das Experiment

Am Experiment nahmen insgesamt 19 Personen teil, wobei auf eine heterogene Durchmischung von Alter, Geschlecht und Technikaffinität geachtet wurde. Die Autorin fragte die Teilnehmenden bereits vor dem Experiment, ob sie einen Chatbot oder einen humanoiden Roboter bevorzugen würden – um nachher feststellen zu können, ob sich dies durch das Experiment ändern würde. Die Aufgabe für die Teilnehmenden war, Informationen bezüglich Angeboten der SBB abzuholen – einmal via Chatbot und einmal via Pepper. Anschliessend befragte die Autorin die Teilnehmenden mittels strukturierter Interviews, wie sie die beiden Interaktionen erlebt hatten.

Der Chatbot war mittels Tastatur und Text zu bedienen. Roboter Pepper war mündlich zu befragen; er gab mündlich Antwort sowie mit Informationen auf dem Tablet auf seiner Brust. Im Gegensatz zum virtuellen Agenten, der nicht mehr als ein Fenster auf dem Computerbildschirm ist, besitzt Pepper eine menschenähnliche Gestalt. Er kann sprechen und auch mittels Gestik, Mimik und Körperhaltung kommunizieren. Von daher dürfte man erwarten, dass er bei den Nutzern gegenüber dem Chatbot klar im Vorteil ist.

Pepper punktet dank menschlichen Eigenschaften

Die Möglichkeit einer menschenähnlichen Interaktion wurde denn auch als häufigster Grund für eine Bevorzugung von Pepper angegeben. Allerdings hat der virtuelle Agent für gewisse Teilnehmende die Vorteile, dass er bereits bekannt und vertraut ist und zeit- und ortsunabhängig verfügbar ist. Vor dem Experiment bevorzugten 11 von 19 Teilnehmenden Roboter Pepper, nach dem Experiment ebenfalls. Der virtuelle Agent hatte nach dem Experiment einen Fan mehr als vor dem Experiment, nämlich 8. Pepper hat also die Nase vorn, aber nicht so weit, wie man vielleicht vermutet hätte.

Ein interessantes Resultat des Experiments ist, dass die Männer klar Roboter Pepper bevorzugten (8 zu 1, respektive 7 zu 2 nach der Interaktion) und die Frauen den virtuellen Agenten (6 zu 3, respektive 6 zu 4). Bei den Männern vermochte Pepper scheinbar eher Zuneigung auszulösen.

Als Pluspunkte wurden bei Pepper vor allem sozial-emotionale Aspekte genannt. Er wirke «sympathisch», man habe «fast schon das Gefühl, mit einem Menschen zu sprechen», er wecke Gefühle. Der Roboter wird zudem als «neuartig» und «innovativ» betrachtet. Weniger geschätzt wird Pepper in Bezug auf seine Leistungsfähigkeit. Sein Wissen wird als begrenzt empfunden und er könne nur bedingt kommunizieren. Zudem sei er zu langsam.

Der virtuelle Agent wird dagegen als Maschine erlebt, sachlich, nüchtern, emotionslos. Dafür sei er verständlich und einfach zu bedienen.

Wenig gefestigte Haltung gegenüber Robotern

Weder dem Chatbot noch Pepper würden die Teilnehmenden restlos vertrauen und ihm zum Beispiel ihre Kreditkartenangaben geben. Was den Einsatz von Robotern in der Gesellschaft – beruflich oder privat – betrifft, sind die Befragten ambivalent. Eine Zusammenarbeit beurteilen gleich viele eher als Chance wie als Gefahr. Im Privaten können sich gut 40 Prozent einen Einsatz von Robotern vorstellen, aber nur gut 30 Prozent, wenn es um die eigene Gesundheit geht. Pflegeroboter will man eher nicht.

Über die Hälfte der Interviewten kann sich vorstellen, mit einem Roboter zusammenzuarbeiten, ein Drittel weiss nicht so recht. Die Autorin schliesst daraus, dass die Befragten noch keine gefestigte Einstellung zu diesem Thema haben. Ein ähnlich uneindeutiges Bild zeigte sich ja auch bei einer Befragung zum Thema Roboter, welche Demoscope im Auftrag der Angestellten Schweiz Anfang 2019 durchführte (siehe «Wer hat Angst vor dem Roboter?»). In beiden Untersuchungen kristallisierte sich heraus, dass Roboter in der Beratung sinnvoll sein können. Anita Imbach nennt auch die Bereiche Bildung und öffentliche Verwaltung als Einsatzfelder.

Klarheit herrscht einzig in einem Punkt: fast niemand kann sich einen Roboter als Vorgesetzten vorstellen. In der Befragung von Anita Imbach antwortete lediglich eine Person Person positiv, in der Demoscope-Befragung gar nur eine von 100 Personen.

Die Forschung geht weiter

Die Roboter (inklusive der Chatbots) kommen allmählich in unserer Arbeitswelt und Gesellschaft an, aber man begegnet ihnen noch mit einer gewissen Skepsis und Beunruhigung. Dieses Fazit kann man aus der Arbeit von Anita Imbach ziehen. Sie schlägt vor, mittels Informations- Aufklärungsmassnahmen sowie mit Praxisbeispielen nachhaltige Einstellungsänderungen zu erzielen. Dieser Artikel trägt dazu bei. Weiter regt Anita Imbach an, Roboter Pepper in einem Feldexperiment in einem natürlichen Umfeld zu beobachten und zu analysieren. Auch dazu bieten die Angestellten Schweiz mit dem erwähnten Experiment mit Pepper im Coworking Space Zero Hand. Der Schreibende freut sich schon auf das Wiedersehen mit Mitglied Pepper.

 

- Der Artikel ist erstmals erschienen in «apunto», dem Online-Magazin der Angestellten Schweiz (15.11.2019).